5. Dezember 2015

Sacral-Dekubitus

Kategorie: Aromapflege Tags: – Autor: Tanja Kapell – 16:27

Einen Herrn Jahrgang 1931 mit Zustand nach Tetraparese bei Sepsis mit akutem Nierenversagen sowie Spondylodiszitis BWK I und II nahmen wir am 11.06. im Hospiz auf.
Er war mit einer massiven Schluckstörung und Ablehnung einer PEG bei vorliegender Patientenverfügung angekündigt wurden.
In den nächsten Tagen stellte sich die Schluckstörung als rückläufig heraus. Auch die Arme konnte der Herr wieder besser nutzen, wobei der linke Arm sich deutlich schwächer zeigte.
Durch die ausschließliche Rückenlage hatte sich schon in der Klinik ein Dekubitus auf der rechten Gesäßhälfte gebildet.
Am 16.06. zeigte sich die Situation wie folgt:

16.06.2015 4 ohne

Eine trockene, ca. 4 cm x 2 cm messende Nekrose hatte sich deutlich demarkiert. Die Wundumgebung war sichtbar gerötet und beim Abtasten auch verhärtet.
Als Aromapflegemischung entschieden wir uns für die „Wundpflegemischung A“ nach Maria Hoch:

Grundmischung:

20 gtt Cajeput (Melaleuca cajeputi)
50 gtt Lavendel fein (Lavendula angustifolia)
20 gtt Basilikum (Ocimum basilicum)
10 gtt Rosengeranie (Pelargonium graveolens)
60 gtt Teebaum (Melaleuca alternifolia)
10 gtt Thymian linalool (Thymus vulgaris ct linalool)
20 gtt Thymian thymol (Thymus vulgaris ct thymol)
20 gtt Zimtrinde (Cinnamomum verum)

Von der Grundmischung gaben wir 10 gtt auf 100 ml NaCl 0,9%. Diese Lösung sprühten wir auf die Nekrose, ließen es leicht antrocknen und deckten den Dekubitus mit einen Schaumverband ab.
Leider war auch bei uns keine Seitenlagerung möglich. Der Herr wurde auf eine Wechseldruckmatratze gebettet und wir führten Mikrolagerungen durch. Alle druckexponierten Stellen wurden mit unserem „Hautpflegeöl“ zur Dekubitusprophylaxe 2 mal täglich eingerieben:

15 ml Jojobaöl (Simmondsia chinensis)
35 ml Mandelöl süß (Prunus dulcis)
8 gtt Lanvendel fein (Lavandula angustifolia)
5 gtt Benzoe siam (Styrax tonkinensis)
2 gtt Karottensamen (Daucus carota)

Die nächste Fotodokumentation führten wir am 25.06. durch:

25.06.2015 1 ohne

Die Nekrose löste sich langsam von den Rändern her und zeigte dort Fibrinbeläge.
Wir behielten unser Vorgehen bei und hielten die Wunde am 1.07. erneut fotogrfisch fest:

01.07.2015 1

Die Größe des Dekubitus veränderte sich nicht nennenswert, allerdings löste sich die Nekrose weiter und so machten auch wir unverändert weiter, bis sich am 8.07. dieses Bild beim Verbandswechsel zeigte:

08.07.2015 1 ohne

Die harte Nekrose hatte sich vollständig aufgelöst war nur noch mittig mit dem Wundgrund verbunden. Die Wundränder zeigten sich gut durchblutet, aber auch verquollen. Ich dosierte die Tropfenzahl der Grundmischung auf 5 gtt pro 100 ml NaCl 0,9% herunter, da wir jetzt mit den ätherischen Ölen direkt in die Wundbehandlung gingen. Ein Verbandwechsel wurde täglich durchgeführt.

Am 15.07. hielten wir den Wundzustand erneut bildlich fest:

15.07.2015 2 ohne

Langsam zeigte sich uns das gesamte Ausmaß der Schädigung. Da sich die Nekrosereste weiter lösten, bekamen wir einen besseren Blick „in“ die Wunde. Der Dekubitus ging weiter in die Tiefe als wir vermuteten. Es entleerte sich nun mehr Wundsekret, so dass wir 2 mal täglich den Verbandswechsel durchführen mussten. Es schien eine Reinigung einzusetzen. Um das Sekret besser aufzufangen, änderten wir das Verbandmaterial. Wir nutzen jetzt einen sanft haftenden Schaumverband, legten zusätzlich Saugkompressen auf und fixierten alles mit einer transparenten Verbandfolie. So sollte auch der entstehende Wundgeruch eingedämmt werden.

Eine erneute Fotodokumentation am 21.07. zeigte dieses:

21.07.2015 2 ohne

Die Nekrose hatte sich völlig aufgelöst., dicke Fibrinbeläge „klebten“ am Wundgrund. Die Wundumgebung zeigte gut durchblutete, aber auch weiterhin erhabene Wundränder. Zusätzlich wurden jetzt auch deutlich Wundtaschen sichtbar. Diese wurden mit der Wundpflegemischung ausgespült, dann die gesamte Wunde nochmals ausgiebig besprüht. Die Verbandtechnik behielten wir bei.

Ab dem 25.07. schien eine erneute Reinigungsphase der Wunde einzusetzen, da wieder deutlich mehr Wundsekret gebildet wurde. Die Wunde musste zeitweise 3 mal täglich verbunden werden, so dass im Team eine neue Versorgung diskutiert wurde.
Wir entschieden uns für Ligasano, welches passgenau in die Wundhöhle eingelegt wurde. Zusätzlich wurde die Wunde mit einer weiteren Lage abgedeckt und Saugkompressen verwendet. Natürlich wurde auch wieder alles fixiert. Die direkte Wundbehandlung behielten wir bei.

Erste Erfolge zeigten sich schon zwei Tage später. Der Verbandswechsel musste nur noch 2 mal täglich erfolgen, da deutlich mehr Sekret vom Verbandsmaterial aufgenommen wurde. Die Fibrinbeläge lösten sich zunehmend und der Wundgeruch war deutlich eingedämmt.
Die Wunde wurde weiterhin bei jedem Verbandswechsel mit der Wundpflegelösung ausgespült und eingesprüht.

Am 2.08. hielten wir den Wundzustand erneut fotografisch fest:

02.08.2015 ohne

Die Fibrinbeläge hatten sich fast gänzlich gelöst und die Wundhöhle war jetzt deutlich besser einsehbar. Der Wundgrund erschien sauber und gut durchblutet, ebenso wie die etwas aufgequollenen Wundränder. Wundexsudat bildete sich kaum noch und so kam es auch nicht zu einem übermäßigen Wundgeruch. Bei diesem Ergebnis behielten wir die aktuelle Wundversorgung weiterhin bei.

Die nächste Fotodokumentation führten wir am 11.08. durch:

11.08.2015 2 ohne

11.08.2015 1 ohne

Wir waren mit dem weiteren Verlauf der Wundheilung zufrieden. Die Wundhöhle hatte sich gut gesäubert und es waren kaum noch Fibrinbeläge vorhanden. Auch die Nekrose hatte sich völlig gelöst. Ebenso war kaum noch Wundgeruch wahrzunehmen und das Wundexsudat hatte in der Menge auch stark abgenommen.

Die Wunde zeigte sich weiterhin gut durchblutet ohne Beläge und Wundgeruch. Ich stellte einen neuen Wundpflegespray zusammen:

200 ml NaCl 0,9 %
2 gtt Weihrauch arabisch (Boswellia sacra)
2 gtt Benzoe siam (Styrax tonkinensis)
1 gtt Kamille blau (Matricaria recutita)
3 gtt Karottensamen (Daucus carota)
4 gtt Lavendel fein (Lavandula angustifolia)
2 gtt Myrrhe (Commiphora molmol)
3 gtt Rosengeranie (Pelargonium graveolens)
5 gtt Sanddornfruchtfleischöl

Mit dieser Mischung wurde die Wunde täglich im Zuge des Verbandswechsels behandelt.

Die erneute Fotodokumentation fand am 17.08.2015 statt und zeigte folgende Wundsituation:

17.08.2015 1 ohne

17.08.2015 2 ohne

Am Wundgrund auf 1 Uhr ist noch eine kleine Fibrinauflagerung angehaftet. Die restliche Wunde ist frei von sonstigen Belägen, sezerniert kaum und es ist kein Wundgeruch wahrnehmbar.
Das Vorgehen bei der Wundbehandlung wurde beibehalten.

Am 27.08. hielten wird die aktuelle Wundsituation erneut fotografisch fest:

27.08.2015 1 ohne

27.08.2015 2 ohne

Die Fibrinauflagerung auf 1 Uhr hatte sich gelöst, der komplette Wundgrund war somit frei von Belägen. Die Wunde zeigte eine gute Granulationstendenz und so wurde der Verbandswechsel wie gehabt durchgeführt.

Die Fotodokumentation am 13.09.2015 zeigte Folgendes:

K13.09.2015 1 ohne

K13.09.2014 2 ohne

Die Wunde verkleinerte sich sichtlich in der Größenausdehnung wie auch in der Tiefe. Die Wundränder stellten sich gut durchblutet dar und so änderten wir das Verbandsmaterial. In die Wundhöhle wurde weiterhin ein Ligasano-Streifen zur Tamponade von evtl. auftretendem Wundsekret eingelegt. Dann wurde die Wunde mit einer Zetuvit-Saugkompresse abgedeckt und mit Opsite-Folie fixiert. Die Wundmischung behielten wir bei.

Die nächste Fotodokumentation führten wir am 27.09.2015 durch:

O27.09.2015 1 ohneO27.09.2015 2 ohne

Die Wundtiefe hatte sich durch Granulationsgewebe weiter verringert. Die Wundränder zeigten sich gut durchblutet und die Wundgröße hatte sich weiterhin verringert.
Bei diesem Wundzustand behielten wir die aktuelle Versorgung bei bis zum 6.10.2015.
Dann hatte sich ein eitriger-grünlicher Belag auf der Wunde gebildet. Hinzu kam ein stark übelriechender Wundgeruch und so wurde der Wundpflegespray angepasst:

200 ml NaCl 0,9%
6 gtt Manuka (Leptospermum scoparium)
6 gtt Niauli (Melaleuca viridiflora)
4 gtt Kamille blau (Matricaria recutita)
10 gtt Lavendel fein (Lavandula angustifolia)
10 gtt Palmarosa (Cymbopogon martini)
4 gtt Immortelle (Helichrysum italicum)
8 gtt Pfefferminz (Mentha piperita)
10 gtt Sanddornfruchtfleischöl
Das Wundmaterial behielten wir bei und führten den Verbandswechsel täglich durch.

Am 10.10.2015 zeigte die Fotodokumentation dieses Bild:

R10.10.15 (2) ohne

R10.10.15 ohne

(Bei der Datumsangabe auf dem Wundlineal hat sich die Kollegin im Monat vertan.)

Zwei Tage später hatte sich der Wundbelag schon deutlich reduziert und es war kein Wundgeruch mehr wahrnehmbar. Wir waren also scheinbar auf dem richtigen Weg und so machten wir weiter.

Die erneute Fotodokumentation wurde am 15.10.2015 durchgeführt:

S15.10.2015 2 ohne

Der Wundgrund war wieder völlig frei von Belägen und granulierte zusehends. Ein Wundgeruch war nicht mehr wahrzunehmen. Die gesamte Wunde verkleinerte sich von ihrer Größe.

Die letzte Fotodokumentation führten wir am 25.10.2015 durch:

T25.10.2015 1 (4) ohne

Die Heilungstendenz der Wunde war weiterhin ersichtlich. Die Wunde war völlig reizfrei.

Da sich der Allgemeinzustand des Herren stabilisiert hatte, war die Unterbringung in einem Hospiz nicht mehr passend. Mit der Familie war im Vorfeld schon nach einer besseren Unterbringung für ihn gesucht wurden und so fand am 26.10.2015 die Verlegung in ein Altenheim statt.
Unser Gast hat sich nach fast einem Monat dort sehr gut eingelebt und genießt seine gewonnene Lebensqualität. Hat er bei uns doch überwiegend im Bett immer in der gleichen Position liegen wollen, wird er dort regelmäßig in den Rollstuhl mobilisiert und nimmt am Beschäftigungsprogramm teil.
Wie sich der noch geringgradige Hautdefekt weiterentwickelt hat, ist uns nicht bekannt.

Ein solch langer Behandlungsverlauf ist für unser Arbeitsfeld sehr ungewöhnlich und so hat es uns doch stark beeindruckt.

4 Comments »

  1. Liebe Tanja,
    das ist ja enorm, was Ihr da leistet und dass die Wunde soooo sauber aussieht – einfach klasse. Es wird irgendwann keine Wundbehandlung mehr ohne ätherische Öle geben. Wir sehen ja ständig, wie so sehr wertvoll sie im Wundmanagement sind und die Heilung fördern. Tolle Arbeit.
    Maria

    Comment by Hoch Maria — 19. Dezember 2015 @ 13:58

  2. Liebe Maria,

    danke für deine lobenden Worte.
    Selten haben wir einen Gast über einen so langen Zeitraum in unserem Haus und können so den Verlauf dokumentieren.Das hat schon für einige „Aha-Momente“ bei den Ärzten, Kollegen, Schülern und einem Wundmanager geführt. Diese Wundbehandlung hat einige Kollegen von der Aromapflege übereugt.
    Die Reinigung der Wunde ist ausschließlich auf die ätherischen Öle zurückzuführen. Eine mechanische Säuberung, wie z.B. Kürettage, wurde ärztlicherseits verboten.
    Ein Besuch im Altenheim bei dem Herrn ist angedacht um sich die Situation nochmal anzuschauen.
    Ich werde dann nochmals berichten.

    Comment by Tanja Kapell — 20. Dezember 2015 @ 17:31

  3. Liebe Tanja,

    so einen Dekubitus habe ich schon lange nicht mehr gesehen.
    Tolle Arbeit von Dir und deinen Kollegen mit den ätherischen Ölen. Es zeigt sich auch, dass Aromapflege mit der modernen Wundversorgung sehr gut zusammen möglich ist. Eure mühevolle Arbeit hat sich sehr auf der ganzen Linie gelohnt.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Comment by luebke — 24. Dezember 2015 @ 14:52

  4. Liebe Christiane,

    danke auch dir für deine motivierenden Worte.
    Ich sehe im Hospiz häufig Wunden, die ich in dieser Ausprägung im Krankenhaus selten zu Gesicht bekam. Umso mehr freuen mich, die Erfolge.

    Liebe Grüße
    Tanja

    Comment by Tanja Kapell — 25. Dezember 2015 @ 18:09

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