3. Oktober 2015

Hautdefekt bei MS

Kategorie: Aromapflege Tags: – Autor: Tanja Kapell – 00:35

Eine Dame Jahrgang 1956 nahmen wir am 10.07.2015 im Hospiz auf.
Sie litt an einer weit fortgeschrittenen Multiplen Sklerose mit spastischer Tetraparase, Ataxie, Epilepsie und Dysphagie. Auf geschlossene Fragen konnte sie zum Zeitpunkt der Aufnahme noch antworten.
Die Dame war dauerhaft bettlägerig und verbrachte die überwiegende Zeit in Rechtsseitenlage auf einer Wechseldruckmatratze. Eine Lagerung auf die linke Seite war möglich, wurde aber meist nicht lange toleriert. Auf Grund von Beugekontrakturen der Beine war die Durchfürung einer Rückenlage nicht möglich.
In Folge der fortgeschrittenen Erkrankung lag auch eine Stuhl- und Harninkontinenz vor.

Am Aufnahmetag hielten wir den Hautzustand des Gesäß per Foto fest, da ein Dekubitus Grad 2 vorhanden war:
10.07.2015 1 ohne

Die eigentliche Wunde maß ca 3 cm in der Breite und 2 cm in der Länge, die Tiefe schätzten wir im Millimeterbereich ein. Am Wundgrund hafteten Fibrinbeläge und die Wunde sonderte wenig klares Sekret ab. Die Wundränder stellten sich gerötet und erhaben dar. Die Wundumgebung zeigte sich gerötet und teilweise bräunlich verfärbt.

Ich stellte ein Wundpflegespray zusammen:

50 ml NaCl 0,9%
2 gtt Lavendel fein (Lavandula angustifolia)
2 gtt Manuka (Leptospermum scoparium)
2 gtt Rosengeranie (Pelargonium graveolens)
1 gtt Kamille blau (Matricaria recutita)
2 gtt Karottensamen (Daucus carota)

Diese Mischung sollte leicht desinfizieren und die Hautregeneration anregen.
Die Wunde, ebenso die Wundumgebung sollten im Rahmen jedes Verbandswechsels (alle 3 Tage und nach Bedarf) mit dem Wundpflegespray eingesprüht werden. Abgedeckt wurde der Dekubitus mit einem leicht selbsthaftendem Schaumverband.

Die nächste Fotodokumentation wurde erst am 23.07. wieder durchgeführt:

23.07.2015 1 ohne

Der Hautdefekt war gänzlich geschlossen und es hatte sich schon Granulationsgewebe gebildet. Die Wundumgebung sah auch vom Hautbild her deutlich besser aus. Auf Grund der deutlichen Verbesserung hielten wir die Versorgung bei.

Eine erneute Aufnahme am 3.08. zeigte kaum Veränderungen:

03.08.2015 ohne

Die Haut war im Vergleich zur Voraufnahme etwas trockener.
Auf Grund des verheilten Hautdefektes und der Stagnation in der Hautregeneration veränderte ich die Versorgung. Das „Regenerationsöl“ kam nun zum Einsatz:

50 ml Aprikosenkernöl (Prunus armeniaca)
5 gtt Lavendel extra (Lavandula angustifolia)
2 gtt Rosengeranie (Pelargonium graveolens)
2 gtt Niauli (Melaleuca viridiflora)
2 gtt Palmarosa (Cymbopogon martini)
Der Steißbereich sollte jetzt 2 mal täglich mit der Ölmischung eingerieben werden. Ein Schutzverband erübrigte sich.

Am 11.08. führten wir erneut eine Fotodokumentation durch:

11.08.2015 1 ohne

11.08.2015 2 ohne

Wir waren mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Weiterhin wird der Steißbereich 2 mal täglich mit dem Regenerationsöl eingerieben und ein Schutzverband ist nicht mehr nötig.

Die Hautregeneration schritt weiter voran, so dass die Hautverfärbung abblasste.
Die Dame verstarb am 21.09.2015.

5 Comments »

  1. Liebe Tanja,
    es ist einfach klasse, welche Erfolge Du bei Dekubiti erzielst. Der Hautdefekt ist vollkommen verschwunden und das ist gigantisch. Dadurch wird ebenso das gesamte Risiko der Infektion wesentlich eingeschränkt und die Schmerzen gelindert. Die Synergieeffekte der ätherischen Öle sind unschlagbar!
    Weiter so mit lieben Grüßen
    Maria

    Comment by Hoch Maria — 6. Oktober 2015 @ 10:26

  2. Liebe Maria,
    danke dir wieder für deine Worte.
    Leider bekommen wir im Moment viele Dekubiti zu sehen und so können wir viel „ausprobieren“. Wir sind nach wie vor selber begeistert von der überzeugenden Wirkung der ätherischen Öle auf diesem Gebiet. Es darf ja auch nicht vergessen werden, dass unsere Gäste meist schon in einem schlechten Allgemeinzustand sind und der Körper weiter auf Abbau eingestellt ist.
    Die Effekte sind genau die von dir geschilderten. Gerade die Schmerzen werden doch deutlich eingedämmt.

    Liebe Grüße

    Tanja

    Comment by Tanja Kapell — 6. Oktober 2015 @ 23:55

  3. wieder einen schönen Erfolg. Besonders faszinierend finde ich an der Wundheilung auch die Schmerzlinderung, welche damit einhergeht.
    Mach weiter soooo..!

    Comment by luebke — 7. Oktober 2015 @ 16:40

  4. Ich bin doch auch immer wieder beeindruckt von deinen Mischungen und natürlich den Erfolgen. Ich hoffe, es tut sich in der Akutmedizin in dieser Richtung auch noch etwas.

    Comment by Schweizer Christiane — 10. Oktober 2015 @ 04:58

  5. Danke auch euch Beiden für die ermunternde Worte.
    Ich bin dankbar, dass unser Palliativmediziner so offen für diese Art der Wundbehandlung ist.
    Vielleicht können solche Erfahrungsberichte ja helfen, diese Form der Wundversorgung auch in die Akutkliniken zu bringen. Ich würde es mir wünschen.

    Comment by Tanja Kapell — 10. Oktober 2015 @ 13:26

RSS feed for comments on this post. | TrackBack URI

Leave a comment

Sie müssen eingeloggt sein um einen Kommentar zu schreiben.