22. Mai 2017

Abszessbehandlung Kaninchen

Kategorie: Aromatherapie für Tiere – Autor: Tanja Kapell – 18:20

Bei dieser Anwendungsbeobachtung handelt es sich um eins meiner eigenen Kaninchen.
Gleich zu Beginn möchte ich klarstellen, dass meine Tiere nicht als Versuchsobjekte herhalten müssen. Die Mischungen wurden sorgfältig zusammengestellt und der aktuellen Wundsituation angepasst. Der Wundverlauf wurde engmaschig fotografisch festgehalten, sowie die Vorgehensweise immer mit dem behandelnden Tierarzt besprochen
Pietry ist mit 14 Jahren schon ein sehr betagter Kaninchen-Opa, der das Leben mit seinen beiden Herzdamen genießt.
Am 12.01. fiel mir auf, dass er leerkaut, d.h. ohne Futter in der Schnute. Bei der genauen Inspektion war auch schon eine tischtennisballgroße, derbe Schwellung vom Unterkiefer ausgehend unter dem Kinn zu tasten. Alle unsere Kaninchen werden 2 mal wöchentlich kontrolliert und so war schnell klar, dass es sich um ein akutes Geschehen handeln musste, da die Schwellung in so kurzer Zeit dieses Ausmaß angenommen hatte.
Am 13.01. ging es dann zum Zahnspezialisten für Kleintiere nach Duisburg. Es wurden Röntgenbilder angefertigt um den Zahnstatus zu erfassen, da bei Abszessen an dieser Stelle meist Zahnwurzeln die Übeltäter sind. Bei Pietry war allerdings keine Ursache genau zu lokalisieren. In Inhalationsnarkose wurde dann ein gekammerter Abszess ausgeräumt. Leider konnte aber die Abszesskapsel nicht vollständig entfernt werden. In einem solchen Fall muss die Wunde unbedingt offen gehalten werden. Eine tägliche Reinigung mittels Wundspülung ist ebenfalls unerlässlich, damit die Wunde vom Grund her granuliert und keine Keime in der Tiefe übrig bleiben. Um dies zu gewährleisten wurden Nähte gesetzt.

Da ich bei unseren Kaninchen in der Vergangenheit schon sehr gute Erfolge mit dem Einsatz ätherischer Öle in der Wundversorgung hatte, stellte ich auch für den Opi wieder eine Wundspüllösung her:

Grundmischung:

2 gtt Angelikawurzel (Angelica archangelica)
5 gtt Cajeput (Melaleuca leucodendron)
5 gtt Grapefruit (Citrus paradisii)
2 gtt Immortelle (Helichrysum italicum)
2 gtt Kamille blau (Matricaria recutita)
6 gtt Latschenkiefer (Pinus pumilionis)
5 gtt Niauli (Melaleuca viridiflora)
5 gtt Thymian linalool (Thymus vulgaris ct linalool)
5 gtt Thymian thymol (Thymus vulgaris ct thymol)
3 gtt Zeder (Cedrus atlantica)

Von dieser Grundmischung gab ich 5 Tropfen auf 50 ml Rosenhydrolat ohne Konservierungsstoffe und Alkoholzusatz.
Mit dieser Rezeptur spülten wir die Wunde vom 13.01. bis 18.01.

Fotodokumentation 13.01.2017

Dieses Bild wurde am OP-Abend,vor der ersten Wundspülung durch uns,aufgenommen. Es ist noch sehr gut die Schwellung unter dem Kinn erkennbar, sowie die gut durchbluteten Wundränder. Gespült wurde mittels Knopfkanüle und 20 ml Wundspüllösung.
Pietry wurde zusätzlich mit einem Antibiotikum oral behandelt und natürlich auch einem Schmerzmittel, welches zusätzlich einen entzündungshemmenden Effekt hat. Als unterstützende Begleittherapie nutzten wir ein homöopathisches Mittel sowie Schüssler Salze. Diese möchte ich hier allerdings nicht benennen, da die Auswahl mit einem erfahrenen Therapeuten abgestimmt werden sollte auf die jeweilige Situation.
Da Pietry eh schon zu den Zahnkaninchen ohne Schneidezähne gehört (diese wurden vor ca 1 Jahr aufgrund massiver Fahlstellungen gezogen) bekommt er kleingeschnittenes Gemüse, Salat und Kräuter. Um den zusätzlichen Kalorienbedarf zu decken, nutzen wir mit Wasser eingeweichtes Cuni Complete Adult mit Zugabe von Haferflocken und Sonnenblumenkernen.

Am 16.01. zeigte sich vor der Reinigung dieses Bild:

Und dies ist die Wunde nach der Säuberung:

Bei diesen Bildern sieht man am Wundgrund sehr gut die Reste der Abszesskapsel inkl. Fibrinbelägen haften. Es wurde weiterhin mit der genannten Wundlösung gespült.
Bei genauem Betrachten kann man auf den Bildern auch einen Rückgang des Wundödems erkennen, da die Haltefäden sichtbar werden sowie ein Abblassen der Haut.

Auch am 18.01. hielten wir den Wundstatus wieder vor sowie nach der Spülung fest:

Da die verwendeten Fäden auf diesen Bildern besser zu sehen sind, ist die Wundschwellung nochmals deutlich zurückgegangen. Allerdings ist auch zu erkennen, dass das Wundsekret schmieriger und dickflüssiger wird. Die Wundhöhle wird weiterhin 2 mal täglich mittels Knopfkanüle ausgiebig gespült.
Ich tauschte die bisher verwendete Wundpflegelösung gegen eine Rezeptur von Maria Hoch aus, die mich im Einsatz von keimbesiedelten Wunden schon häufig überzeugt hatte:

20 gtt Cajeput (Melaleuca leucodendron)
50 gtt Lavendel fein (Lavendula angustifolia)
20 gtt Basilikum (Ocimum basilicum)
10 gtt Rosengeranie (Pelargonium graveolens)
60 gtt Teebaum (Melaleuca alternifolia)
10 gtt Thymian linalool (Thymus vulgaris ct linalool)
20 gtt Thymian thymol (Thymus vulgaris ct thymol)
20 gtt Zimtrinde (Cinnamomum verum)

Auch bei dieser Rezeptur handelt es sich um eine Grundmischung aus puren ätherischen Ölen. Zur Herstellung einer Wundspüllösung wurden 5 Tropfen auf 50 ml Schafgarbenhydrolat gegeben.

Die folgenden Bilder zeigen den Wundzustand vor und nach der Reinigung am 20.01.:

Bei diesen Aufnahmen hat man den Blick relativ weit in die Wunde hinein. Auf 4 und 5 Uhr ist schon ein relativ sauberer Wundgrund zu sehen, in der Tiefe haftet weiterhin viel Fibrin.Die unregelmäßige Oberfläche der Beläge lässt auf eine gute Reinigungswirkung der Spüllösung schließen. Es werden richtige Gewebestückchen aus der Wunde gespült.

Die nächsten Fotodokumentation erstellten wir am 22.01.:

In dieser Phase der Wundheilung war das Sekret schon wieder etwas flüssiger, verstopfte allerdings weiterhin die Wundöffnung, so dass wir die Spülung 2 mal täglich beibehielten. Die Schwellung ist deutlich rückläufig und sicherlich auch auf die lymphflussanregenden ätherischen Öle in der Mischung zurückzuführen.

Das nächste Foto ist vom 24.01.:

Auf dem Bild vom 24.01. sind keine Fäden mehr zu erkennen, da der Tierarzt diese am Tag zuvor entfernt hatte. Er war sehr zufrieden mit dem bisherigen Wundverlauf und so behielten wir die Vorgehensweise bei.

Dieses Bild zeigt den Wundzustand vom 26.01.:

Auf diesem Foto ist sehr gut der Wundgrund erkennbar. Es haften kaum noch Fibrinbeläge an. Die deutlich verkleinerte Wundhöhle wurde weiterhin mit der Wundspüllösung gereinigt. Um aber die Granulation aus der Tiefe zu erzielen, wurde nach der Säuberung eine abdichtende Wundsalbe eingebracht:

50 g Lanolin anhydricum
2 ml Schafgarbenhydrolat (ohne Alkohol und Zusatzstoffe)
3 gtt Sanddornfruchtfleischöl
4 gtt Propolis-Tinktur
3 gtt Grapefruit (Citrus paradisii)
2 gtt Immortelle (Helichrysum italicum)
2 gtt Karottensamen (Daucus carota)
4 gtt Lavendel fein (Lavandula angustifolia)
2 gtt Niauli (Melaleuca viridiflora)
1 gtt Rosengeranie (Pelargonium graveolens)

Am 30.01. sah die Wunde so aus:

4 Tage nach Einsatz der Wundsalbe wurden wir bei der Wundversorgung von einer nochmal kleiner gewordenen Wundhöhle überrascht. Auch bei der vorsichtigen Sondierung mittels Knopfkanüle waren keine versteckten Taschen zu finden. Das zum Auftragen der Salbe verwendete Wattestäbchen versank nur noch zu 2/3 in der Wundöffnung.

Fotodokumentation vom 1.02. vor und nach der Reinigung:

Bei der Wundversorgung am 1.02. kamen wir nur noch mit dem Kopf der Knopfkanüle zum Säubern in die Wunde. Der Wattestäbchenkopf war schon zu dick und so wurde die Salbe nur noch oberflächlich auf die Wunde aufgestrichen.

Fotodokumentation vom 5.02. . . .

. . . und vom 10.02.

Auf diesen beiden Bildern sind die gut durchbluteten Wundränder und der saubere Wundgrund zu sehen. In dieser Phase der Wundheilung zeigte sich Pietry erstmalig nicht begeistert während der Versorgung. Auch dies war für mich ein Zeichen, dass das Gewebe sich intakt regeneriert hatte.

Abschließendes Wundfoto vom 15.02.:

Etwas mehr als einen Monat nach der Abszess-OP ist die Wunde völlig zugranuliert. Unter dem Plüsch ist noch eine dezente Gewebeschwellung zu erkennen, die aber auch den Tierarzt nicht beunruhigte. Allerdings beeindruckte ihn der schnelle Heilungsverlauf ohne Folge-OP und der gute Zustand unseres Rentner-Kaninchen.

Pietry ist wieder völlig genesen und genießt die Dreisamkeit mit seinen Herzdamen Gretchen und Rocky:

Ich bin immer wieder dankbar, zu den ätherischen Ölen gefunden zu haben und möchte sie in meinem Leben (privat wie beruflich) nicht mehr missen.