25. Oktober 2016

Hydrolate

Kategorie: Allgemein,Aromapflege,Aromatherapie,Duftpflanzen – Autor: admin – 10:32

Hydrolate – „wildes Herz der Pflanzen“ (Susanne Fischer-Rizzi)
erstellt: Natalie Rosenhauer von Löwensprung

Definition und Gewinnung

Ein Hydrolat ist das Produkt einer Wasserdampfdestillation von Heil- und Duftpflanzen.

Bei diesem Prozess wird der Dampf mit wasserdampflöslichen Molekülen angereichert und bei der anschließenden Kondensation durch Abkühlung von den gewonnenen ätherischen Ölen getrennt und abgezogen.

In Apotheken werden oft unechte „Hydrolate“ hergestellt, insbesondere Rosenwasser.

Dafür wird destilliertes Wasser mit ätherischen Öl, natürlichen oder auch künstlichen Aromen vermischt.

Das echte Hydrolat enthält jedoch einen Anteil an wasserlöslichen Inhaltsstoffen. Es setzt sich bei der Destillation sozusagen „mit der Pflanze auseinander“.

In den Mittelmeerländern, im Iran, in der Türkei und in Nordafrika werden Hydrolate ganz gebräuchlich im Alltag verwendet: in der Küche, als Pflege für Haut und Haare, und als Medizin. Im mitteleuropäischen Raum haben sie eine lange Tradition als sog. Pflanzenwässer, oder „gebrannte Wässer“. Mit der Aromatherapie und Aromapflege erleben sie Hand in Hand eine Wiederentdeckung.

Herkunft: Marokko, Portugal, Süd-Frankreich, Süd-Italien

 

Inhaltsstoffe

Das Hydrolat kann ganz andere Inhaltsstoffe von der destillierten Pflanze enthalten als das gewonnene ätherische Öl.

Es enthält zum einen wasserdampfflüchtige lipophile Bestandteile und zum anderen wasserlösliche flüchtige Inhaltsstoffe der Pflanzen, sowie zwischen 0,03-0,5 % ätherische Öle (sog. Wasseröle) und z.T. Artefakte. Damit sind die Hydrolate die Schnittstelle zwischen der herkömmlichen Pflanzenheilkunde, die primär mit den wasser- und alkohollöslichen Pflanzenanteilen arbeitet, und der Aromatherapie bzw. –pflege.

Insgesamt müssen diese einzelnen Substanzen leichter als 250 g/mol (Price 2004) sein, um in der Destillation in den Wasserdampf gelöst zu werden. Das bedeutet, dass besonders die leichteren und kleineren Moleküle im Hydrolat vorzufinden sind:

  1. Die Wasseröle sind im Hydrolat in feinsten Tröpfchen verteilt, und enthalten im Gegensatz zum oben aufliegenden ätherischen Öl besonders die wasserlöslichen Substanzen der ätherischen Öle wie Alkohole, Aldehyde, Ester, Ketone und Spuren von 1,8 Cineol, daneben Säuren, die den pH-Wert senken. So ist in hochwertigem Rosenhydrolat viel Phenylethanol und Phenylester enthalten, deutlich mehr als im ätherischen Öl der Rose.
  2. Von den wasserlöslichen Substanzen können sie noch Gerbstoffe, Scharfstoffe und teilweise Vitamine, und in Spuren viele andere Stoffe enthalten.
  1. Artefakte nennt man Stoffe, die in der Natur so nicht vorkommen, sondern erst durch die Destillation entstehen, wie z.B. Chamazulen, Sulfide oder Aceton.

 

Wirkung und Dosierung

Die Wirkung der Hydrolate im Allgemeinen kann man als ganzheitlich und mild beschreiben. Susanne Fischer-Rizzi beschreibt ihre Wirkung als 4-5x stärker als Teezubereitungen, daher reichen Dosierungen im TL-Bereich aus. Man kann sie äußerlich anwenden, auch bei empfindlicher Haut, Babys und älteren Menschen. Auch eine innerliche Anwendung ist möglich: man dosiert tee- bis esslöffelweise in Wasser.

 

Haltbarkeit, Hygiene, Handhabung

Während der Destillation entsteht absolut reines Hydrolat, das eigentlich sehr lange haltbar sein kann. Wenn es mit sauberen Arbeitsgeräten in Flaschen umgefüllt wird und die Temperaturunterschiede nicht zu groß sind, halten sich die meisten Hydrolate mindestens 0,5 bis sogar 2 Jahre.

Das kommt natürlich auch auf die Inhaltsstoffe an. Nerolihydrolat hält erfahrungsgemäß sehr lange, wogegen das Weisstannenhydrolat schon nach einigen Monaten umkippen kann (sehr wahrscheinlich finden sich im Weisstannenhydrolat sehr wenige Alkohole).

Einige Firmen setzen Alkohol oder sonstige Mittel zur Haltbarmachung zu.

Damit hält das Hydrolat zwar länger, ist aber für die Pflege von Haut und Haaren nicht zu empfehlen.

Es wird eine Reifezeit des Hydrolates empfohlen. Diese liegt zwischen einigen Wochen bis zu einem Jahr. In dieser Zeit verflüchtigen sich eventuell enthaltene Stoffe wie Schwefelverbindungen und der Gesamtduft wird angenehmer und runder.

  • Einige Destilleure arbeiten sehr hochwertig, und so enthalten deren Hydrolate größere Mengen an Wasseröl, was das Hydrolat länger haltbar macht.
  • Die Angaben auf dem Etikett eines Hydrolats sollten der Kennzeichnung eines hochwertigen ätherischen Öles entsprechen!
  • Die Hydrolate sollten in dunklen, lichtundurchlässigen Flaschen abgefüllt sein. Wer selbst destilliert, sollte darauf achten, dass die Flaschen sehr gut befüllt sind, damit wenig Platz für Sauerstoff in der Flasche bleibt, der den Alterungsprozess beschleunigen kann.
  • Die Öffnung der Flasche sollte möglichst nicht berührt werden, um eine Verkeimung zu verhindern; nach Möglichkeit setzt man einen Sprühaufsatz auf die Flasche auf.
  • Die Flaschen sollten kühl, trocken, lichtgeschützt und bei gleichbleibender Temperatur gelagert werden (die Bildung von Kondenswasser bei Temperaturschwankungen fördert die Verkeimung).
  • Anzeichen einer Verkeimung oder Umkippen der Hydrolate sind: muffiger Geruch, Schlieren- und Wolkenbildung.

Geruch

Der Geruch eines Hydrolates hat selten etwas mit dem Duft des dazugehörigen ätherischen Öls zu tun. Sehr gut festzustellen ist es am Lavendelhydrolat. Es duftet dumpf und krautig und hat wenig Ähnlichkeit mit dem Lavendelöl, denn es fehlen besonders die Ester, die eine wichtige Leitsubstanz im ätherischen Lavendelöl sind! Das Salbeihydrolat hingegen enthält relativ viel Thujon (leicht hydrophiles Monoterpenketon), und riecht dem ätherischen Salbeiöl sehr ähnlich.

Dementsprechend unterscheidet sich bisweilen auch die Wirkweise der Hydrolate von den ätherischen Ölen ein und derselben Pflanze. In der Regel wirken Hydrolate und ätherische Öle synergistisch und lassen sich wunderbar kombinieren.
Quellen:

Kleindienst-John, Ingrid: Hydrolate – Sanfte Heilkräfte aus Pflanzenwasser, Freya Verlag, Linz 2012

Fischer-Rizzi, Susanne: Das große Buch der Pflanzenwässer, AT Verlag, München 2014

19. Oktober 2016

Septembertreffen Arbeitskreis „Ruhrgebiet“

Kategorie: Allgemein,Aromapflege – Autor: Tanja Kapell – 00:12

Am Freitag, den 23.09.2016 hat sich der Arbeitskreis „Ruhrgebiet“ erneut getroffen. 13 Teilnehmer meldeten sich für den professionellen Austausch rund um das Thema „Schlafstörungen“ an.

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Wie auf den Bildern vielleicht zu erkennen ist, war nicht nur für das nötige Material zum Austausch gesorgt, sondern auch für den kleinen Hunger zwischendurch. Allerdings ist der Renner des Heimweg-Snacks nicht abgebildet, da er in der Küche nach Abschluss des Arbeitskreises wartete. Die selbstgemachte Tomatenbutter erfreute ausnahmslos alle Teilnehmer mit ihrem fruchtigen Geschmack.

Aus meiner Arbeitsstätte hatte ich die Aromapflege- sowie Raumduftmischungen für den Einsatz bei Schlafstörungen mitgebracht, so dass sie erschnuppert werden konnten. Auch die beiden unterstützenden Heilpflanzentee-Mischungen „Entspannungstee“ und „Gute Nacht“ aus dem „Haus Franz“ konnten verkostet werden. Zusätzlich hatte ich für jeden Teilnehmer unser „Träum schön“-Öl als 10 ml Probe zur Mitnahme gemischt. Nach Kontaktaufnahme zu unserer ätherischen Öl-Lieferantin Frau Klingbeil-Hilz (Jophiel Aromaöle) stellte diese mir für jeden Teilnehmer des Arbeitskreises einen Tester der Aromapflegemischung nach Maria Hoch „Angenehme Nachtruhe“ zur Verfügung und auch dieser wurde mit Freude entgegen genommen.

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Zu den Mischungen wurden auch Möglichkeiten der Anwendung sowie Abendritualgestaltungen vorgestellt. Ich persönlich bin ein Fan des Kissensprays. Hier ist es allerdings unerlässlich, die Raumduftmischung vorher als Riechkompresse zu testen. Ist das Spray nämlich einmal auf das Kissen/die Bettwäsche aufgebracht, lässt sich der Duft nur mit großem Aufwand (Bettwäsche/Bekleidungswechsel) wieder entfernen und die Einschlafstimmung ist dahin.

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Da unser Treffpunkt für den Austausch die PhytAro Heilpflanzenschule Dortmund mit Heilpflanzengarten ist, konnten vor Ort auch einige der relevanten Duftpflanzen bei Schlafstörungen angeschaut werden.

Der Hopfen dominiert die Gartenansicht
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Die gefüllte römische Kamille (Chamaemelum nobile)
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Das schon verblühte Lavendelkraut (Lavandula angustifolia)
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Der Hopfen (Humulus lupulus) in der Nah-Ansicht
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In Anbetracht der für Heilpflanzen schon späten Jahreszeit konnten wir nicht mehr alle Pflanzen entdecken, aber die Schildchen lassen erahnen, wo sie zur nächsten Saison zu finden sind.
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