28. Juni 2015

Dekubitusbehandlung mit ätherischen Ölen

Kategorie: Aromapflege – Autor: Tanja Kapell – 17:58

Am 27.02.2015 nahmen wir eine Dame Jahrgang 1947 mit einem in Knochen und Leber metastasierten Mamma-Carcinom in unserem Haus auf. Sie war über einen längeren Zeitraum von ihrer Tochter im häuslichen Umfeld versorgt wurden, doch jetzt gestaltete sich die Pflege schwieriger und somit kam es zur Aufnahme.
Die Dame war auf Grund der Knochenmetastasen und die begleitende Schwäche bettlägerig. Hinzu kam eine Unfähigkeit die Beine zu bewegen. Auch der Stuhlabgang konnte nicht kontrolliert werden und es wurde auch nicht bemerkt, wenn sie eingekotet hatte.
Durch den Umstand der eingeschränkten Lagerungs- und Bewegungsmöglichkeit hatte sich ein Dekubitus im Sacralbereich gebildet. Dieser zeigte sich am Aufnahmetag wie folgt:

27.02.2015 1

Die Wunde zeigte erhabene Wundränder und teilweise einen sezernierenden Wundgrund mit Fibrinauflagerungen. Am oberen Pol demarkierte sich eine Nekrose und auf dem Bild ist auch schon zu erkennen, dass die Schädigung unter der noch intakten Haut weiter fortgeschritten war. Die umgebende Haut war durch das Wundsekret ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen und zeigte oberflächliche Hautläsionen. Auf Grund des Wundgeruchs war von einer Keimbelastung mit Pseudomonasbeteiligung auszugehen. Die Wunde war bisher mit Prontosan gereinigt wurden und dann mit einem Wunddistanzgitter sowie sterilen Mullkompressen abgedeckt wurden. Zusätzlich wurden Saugkompressen aufgebracht und das Material mit Fixomull befestigt. Laut Aussage der Tochter hatte der Dekubitus unter dieser Behandlung aber an Größe zugenommen.

Nach Absprache mit unserem Pallitivmediziner durften wir eine Aromapflegemischung zur direkten Wundbehandlung einsetzen. Ich entschied mich für folgende Zusammenstellung:

200 ml Rosenhydrolat
3 gtt Basilikum (Ocimum basilicum)
3 gtt Benzoe siam (Styrax tonkinensis)
2 gtt Cistrose (Cistus ladaniferus)
3 gtt Lavendel (Lavandula angustifolia)
6 gtt Rosengeranie (Pelargonium graveolens)
5 gtt Manuka (Leptospermum scoparium)
4 gtt Melisse 30% (Melissa officinalis)
4 gtt Pfefferminze (Mentha piperita)

Diese Mischung wurde großzügig in die Wunde gesprüht und auf die umgebende Haut. Als Wundversorgung entschieden wir uns für einen leicht selbstklebenden Schaumverband zur Aufnahme des Wundexsudates. Zusätzlich wurde eine Kohlekompresse zur Geruchsminimierung aufgelegt und alles mit einem Folienverband (ebenfalls zur Geruchsminimierung) fixiert.
Die Dame wurde auf eine Wechseldruckmatratze gebettet und alle druckexponierten Stellen mindestens 1 mal pro Schicht mit unserem „Hautpflegeöl“ versorgt:

15 ml Jojobaöl (Simmondsia chinensis)
35 ml Mandelöl süß (Prunus dulcis)
8 gtt Lanvendel fein (Lavandula angustifolia)
5 gtt Benzoe siam (Styrax tonkinensis)
2 gtt Karottensamen (Daucus carota)

Am 14. 03. 2015 zeigte sich dann folgendes Bild:

14.03.2015 2

Und diese Aufnahme ist 2 Tage später entstanden:

16.03.2015 1

Es ist gut zu erkennen, dass sich die umliegende Haut unter der Behandlung erholt hatte. Die Nekrose hat sich weiter demarkiert und die Wundränder zeigten sich gut durchblutet. Am Wundgrund hatten sich die Firbrinbeläge gelöst und es war kaum noch Wundgeruch wahrzunehmen. Also machten wir mit der Wundbehandlung wie bisher weiter.

Eine erneute Fotodokumentation fand am 25.03.2015 statt:

25.03.2015 1

Die Nekrose befand sich weiterhin in der Auflösung und derzeit entwickelte sich wieder etwas mehr Wundgeruch. Da wir der Meinung waren, dass dies mit dem Umbruch in der Wundheilung zusammenhing, wechselten wir die Mischung nicht, sondern behandelten die Wunde 2 mal täglich.
Eine Druckentlastung des Gewebes durch eine Seitenlagerung wurde nicht toleriert.

Am 3.04.2015 zeigte sich dieser Wundzustand:

03.04.2015 1

Die Nekrose hatte sich weiter gelöst und der Wundgeruch war wieder verschwunden. Die Wundränder waren immer noch aufgequollen, aber gut durchblutet. Auch der Wundgrund zeigt sich gut durchblutet und frei von Belägen.
Mit der Versorgung machten wir weiter bis zum 13.04.2015. Die Fotodoku an diesem Tag zeigte uns folgendes Bild:

14.04.2015 1

Sowohl die Nekrose wie auch die Wundfläche hatte sich verkleinert. Der Wundgrund war weiterhin gut durchblutet und die Wundränder zeigten weiterhin Granulationstendenz. Desweiteren war zu diesem Zeitpunkt kein Wundgeruch mehr vorhanden.
Ich machte mir Gedanken zu einer angepassten Wundmischung. Sie sollte neben der desinfizieren- den Wirkung auch die Hautregeneration anregen und pflegen.
So setzte sich die neue Mischung zusammen:

200 ml NaCl 0,9%
2 gtt Thymian linalool (Thymian Vulgaria CT linalool)
1 gtt Sandelholz (Santalum Album)
2 gtt Pfefferminze (Mentha piperita)
2 gtt Niauli (Melaleuca viridiflora)
5 gtt Melisse 30% (Melissa officinalis)
2 gtt Manuka (Leptospermum scoparium)
4 gtt Lavendel fein (Lavandula angustifolia)
1 gtt Kamille blau (Matricaria recutita)
2 gtt Rosengeranie (Pelargonium graveolens)

Mit der Behandlung starteten wir am 15.04.2015. Weiterhin wurde 1 mal täglich der Verband gewechselt und die Wunde behandelt.

Die nächste Fotodokumentation fand erst am 28.04.2015 wieder statt.

28.04.2015 1

Die Nekrose hatte sich bis auf eine kleine Stelle vollständig vom Wundgrund gelöst. Die Tiefe der Wunde hatte deutlich abgenommen und das Gewebe zeigte fast schon eine Hypergranulation. Wäre die Dame in einem besseren Allgemeinzustand gewesen, hätte man über eine plastische Deckung des Hautdefekts nachdenken können. Leider verschlechterte sich der Zustand aber von Tag zu Tag und so war ein Krankenhausaufenthalt mit Narkose und OP undenkbar. So blieben wir bei der aktuellen Versorgung bis zum versterben der Dame am 1.05.2015.